KETAAKETI Gesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.
KETAAKETIGesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.

Aktuelles aus Projekten in Sierra Leone

Juli 2018, Mindokatie Salone:

In den beiden im Norden des Landes gelegenen Dörfern Kaworsor und Mamudia Kura (in der Nähe von Kabala) haben jeweils drei weitere Frauen ein Training zur Mikrofinanzierung erhalten.

 

Fatmata Zamura, die sehr erfahrene Mikrofinanzierungstrainerin, bereitet die Frauen mit einem tollen Schulungsmaterial auf ihre Selbständigkeit vor. Es sind zum sehr einfach gehaltene Folien mit bunten Bildern, da die meisten Frauen Analphabetinnen sind. Mit Spielgeld wird der Umgang mit dem vielen Geld, das sie bislang nicht hatten, geübt, auch, wieviel Geld sie zur Rückzahlung oder auch für neue Investitionen beiseite legen. Nachdem die Schulungen abgeschlossen sind, erhalten die Frauen von Fatmata Zamura das Geld.

 

Somit haben jetzt in beiden Dörfern jeweils 18 Frauen eine Mikrofinanzierung von 100 € erhalten, mit der sie sich hier im Norden häufig eine Existenz im Gemüseanbau und Tierhaltung aufbauen.

 

Yembeh Mansaray und Fatmata Zamura haben uns in einer Sprachnachricht ein herzliches Dankeschön und liebe Grüße an das gesamte Ketaaketi-Team und alle Unterstützer gesendet!

Juli 2018, SEN:

Auch bei unserer Partnerorganisation SEN (Society for Empowering the Needy) laufen die Mikrofinanzierungen sehr gut!

Von Tassoh Island, der kleinen Insel in der Bucht von Freetown, hatten wir im Juli 2017 und im Januar 2018 für insgesamt 30 Frauen Geld für die Mikrofinanzierungen nach Sierra Leone geschickt. Idrissa Kamara, der social worker von SEN berichtete uns nun, dass die Entwicklung der Rückzahlungen sehr erfreulich verläuft, genauere Zahlen liefern wir gerne zu einem späteren Zeitpunkt nach. Darüber haben wir uns sehr gefreut und Idrissa Kamara hat uns und allen KETAAKETI Mitgliedern und Unterstützer seinen tiefen Dank ausgesprochen! Diese Dankeschön möchten wir an dieser Stelle gerne an alle weitergeben!

 

Wir erhielten auch Fotos vom Schulunterricht. Hier können wir tatsächlich darüber nachdenken, ob wir, wie im Norden bei Kabala, auch den Bau einer kleinen und regensicheren Dorfschule mit unterstützen könnten.

Reisebericht Sierra Leone Projektreise

vom 24.11.2017 - 01.12.2017

 

Am 24.11.2017 starteten wir,  Anneli-Sofia Räcker, York Schäfer (freier Journalist), Jonas Völpel (Fotograf) und ich, Uta Konstantinovic, mit dem Flugzeug ab Bremen über Amsterdam nach Sierra Leone. Dort wurden wir sehr liebevoll von Yembeh Mansaray, einem unserer Projektpartner, in Empfang genommen und anschließend nach Portloko gebracht, wo wir die nächsten drei Nächte in einem kleinen Hotel verbrachten, etwas misstrauisch wegen der Mücken und der damit verbundenen Malariagefahr (malaria tropica ist sehr verbreitet in Sierra Leone und lebensgefährlich).  Abends unsere Besprechungen des Tages draußen zu führen – obwohl wir chemisch voll aufgerüstet waren – schien uns daher die ganze Zeit über zu riskant.

 

Am  nächsten Morgen um 9 Uhr stieß dann noch unser zweiter Projektpartner, Usman Conteh, mit seinem Team zu uns. Herr Usmann Conteh ist in leitender Position bei der Regierung in der Abteilung „Human Ressorce“ beschäftigt und hat neben dieser Arbeit die NGO „SEN – SOCIETY FOR EMPOWERING THE NEEDY“ gegründet und wird hierbei von seinem Team Samuel  Mamoh (treasurer) und Idrissa  Kamara (social worker und teacher) unterstützt. Sie hatten den gesamten Reiseablauf sehr detailliert mit Yembeh Mansaray geplant, einem Sub- Unternehmer eines italienischen Strassenbau-Unternehmens mit einem ebenfalls sehr großem Herzen für die Not seines Landes („his passion“), der auch eine NGO (Mindakatie Salone) gegründet hat, um mit uns zusammen arbeiten zu können. Er wird von Marie Mansaray (treasurer), Fatmata Zamura (einer erfahrenen Mikrofinanzierungs-Begleiterin) und Almani Calon (einem Lehrer, der ebenfalls schon viele Erfahrungen mit Mikrofinanzierungen hat) unterstützt.

Beide landeseigenen NGO-Gründungen und Auswahl der Projektleiter wurden in mehrmonatiger Vorarbeit von Anneli-Sofia Räcker initiiert.

 

Nun, an diesem ersten Morgen starten wir dann, um das erste Projekt  von Herrn Conteh in Gbinti zu besuchen. Dort wurden wir von der Dorfgemeinschaft tanzend empfangen und es folgte eine lange Zeremonie, inklusive Begrüßung der Dorfältesten. Immer wieder wurde zwischendurch gebetet, und das Besondere hieran war, dass sowohl der Imam ein muslimische Gebet sprach, als auch der Priester ein christliches – alle beteten gemeinsam. Diese gelebte Toleranz hat uns überall im Land sehr beeindruckt.  In allen Dörfern fanden wir diese religiöse Offenheit, ebenso wie eine beeindruckend geordnete Dorf-Struktur. Es gab immer, auch in grösster Armut,  einen männlichen und einen weiblichen Dorf-Chief und den Rat der Ältesten, sodass die soziale Ordnung und damit auch der Schutz der Kinder immer im Mittelpunkt des Interesses stand. Hier ist Sierra Leone sicherlich ein Vorbild für die Welt!

 

Zudem waren wir von Anfang an oft  regelrecht überwältigt von dem sehr ausgeprägten politischen Bewusstsein der Frauen  – sie wollen KEINE Hilfe, sondern eine Partnerschaft und stellen den Einsatz für ihre Kinder über alles. Wenn sie mit der Mikrofinanzierung ein Gewerbe starten, möchten sie mit Reis, Zwiebeln, Töpfen oder Fisch handeln, ihre Landwirtschaft aktivieren u.v.m. Hierbei fühlen sie sich nach bisheriger Erfahrung in hohem Masse den anderen Frauen in ihrer Mikrofinanzierungsgruppe und den nachfolgenden Gruppen verpflichtet und arbeiten hochmotiviert.

 

Am nächsten Tag trafen wir uns wieder mit beiden Projektpartnern,  um nun nach Tassoh Island aufzubrechen. Dieses ist ein Projekt, bei dem bereits 15 Frauen von KETAAKETI im Juni 2017 eine erste Mikrofinanzierung und 30 Kinder einen Schulsupport erhalten haben. Es handelt sich hierbei um eine kleine Insel in der Nähe von Freetown, auf der es fünf Dörfer gibt. Wir besuchten die drei, die bereits unterstützt werden (Tassoh, Samgbleme, und Oku Town).

 

Auch dort wurden wir mit rituellen Tänzen, aber auch einem weißen und einem schwarzem Geist empfangen. Die Frauen, die bereits Mikrofinanzierungen erhalten haben, berichteten uns stolz, dass sie ihren Kindern nun selbst den Schulbesuch ermöglichen können, und sie durch die Hoffnung, die sie nun wieder hätten, sogar viel „jünger aussähen“. Eine junge Frau, ca. 19 Jahre alt, mit 2 sehr kleinen Kindern sprach aus, was viele Frauen dachten: „ Unterstützen Sie uns dabei, dass diese Kinder nicht in demselben trostlosen Elend aufwachesn, wie wir es mussten.“

 

(Übersetzt wurden die unterschiedlichen Sprachen der Dörfer, ca. 16 verschiedene Ethnien , durch unsere Projektleiter für uns jeweils ins Englische,  Schul-Landessprache in Sierra Leone).

 

Entsetzt und empört  waren wir über die unglaubliche Armut der dort „vergessenen“ Menschen, Opfer einer brutalen Ausbeutungspolitik, in diesem Fall durch eine chinesische Mineral-Firma.  Auf dem Weg nach Tassoh Island fiel uns schon die chinesische Eisenerz-Plattform im Hafen von Freetown und der kilometerlange Zuliefererzug durch das ganze Land auf. Und dann erfuhren wir, dass durch das Ausbaggern des Hafens für die Containerschiffe der Fischfang hier unmöglich gemacht wurde, da die Fischgründe aussterben. Dies ist um so schlimmer, da die Menschen von Tassoh Island eigentlich nur vom Fischfang leben! 

 

Am dritten Tag fuhren Anneli-Sofia Räcker und ich dann  mit Yembeh Mansary in den Norden des Landes, nach Kabala. Dort trafen wir uns am Abend mit seinem Team schon zu einem ersten Meeting und waren von der Erfahrung, der Kompetenz und den Ideen der Kollegen zum Thema Mikrofinanzierung begeistert! Wir haben dann am nächsten Tag die beiden vorgesehenen Dörfer Mamudia Kura und Kaworsor besucht, und waren auch hier von der offenen,  aber auch kritisch bewussten Art der Menschen in den Bann gezogen. Uns schlug auch hier eine gewisse  Skepsis entgegen – und wie wir dann erfuhren, wurden den Bewohnern in allen Dörfern immer wieder Versprechungen gemacht, die aber nie gehalten wurden. Schon in Tassoh Island hörten wir, dass wir die Ersten seien, die ihr Versprechen gehalten haben.

 

In diesen beiden Dörfern würden die Frauen gerne Landwirtschaft betreiben, sogar die Männer haben großes Interesse bekundet und wollen ihre Frauen unbedingt unterstützen. (Über stärkeren Einbezug der Männer in die Mikrofinanzierungsprojekte will insbesondere das SEN-Team nachdenken.) Es gibt aber in diesen beiden Dörfern seit dem Bürgerkrieg keine Schule, sodass auch die Kleinen schon einen Schulweg von ca. 3 Stunden haben, was aber aufgrund des Hungers sehr anstrengend, aufgrund der rasenden Autos und Motorräder auf der verbindenden Strasse  und giftigen Schlangen und Spinnen am Strassenrand sehr gefährlich ist.  Hier wird  der Bau einer einfachen Dorfschule in Kooperation mit KETAAKETI geplant.

 

Die letzten beiden Tage haben wir dann in Freetown verbracht und dabei die sehr herzlichen Familien unserer Projektpartner kennen gelernt, Verhandlungen geführt und auch den Slum und die Slumschule in Freetown besucht.

Wieweit sich hier ein weiterer Arbeitsansatz entwickelt, wird von unseren Projektpartnern überlegt.

 

Auf unserer gesamten Reise ist uns aufgefallen, dass die Frauen sehr kritisch und politisch bewusst sind, es geht um Emanzipation und die Versorgung ihrer Familie. Aber es gibt auch Zorn über die unzumutbaren Umstände, sie zeigen sich sehr besorgt und verantwortlich für die Kinder und die Familie.  Ein Anschub durch Mikrofinanzierungen gibt ihnen viel mehr Selbstbewusstsein, sie sind stolz, den Schulbesuch ihrer Kinder selbst finanzieren zu können. Dies ist in unseren Augen wirkliche Hilfe zur Selbsthilfe. Sehr wichtig bei der Auswahl der Frauen, die Mikrofinanzierungen erhalten sollen, ist aber auch, dass sie aus dem eigenen Dorfkreis bestimmt werden, damit kein Neid aufkommt.

 

Die bisher vergebenen Mikrofinanzierungen verliefen sehr erfolgreich, schon nach sechs Monaten hatten die Frauen die Rückzahlung abgeschlossen, das Geld kann an die nächsten Frauen weiter gegeben werden.

 

Obwohl es scharfe Antikorruptionsgesetze in Sierra Leone gibt, gibt es offensichtlich immer wieder Wege diese zu umgehen. Die Ausbeutung der reichlich vorhandenen Rohstoffe ist hier ein großes politisches Thema und es geht auch um die Möglichkeit der Menschen ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.  Wie wir in Tassoh Island mit der Gewinnung von Eisenerz gesehen haben, sind die Fischgründe zerstört, ein Fischen ist nicht mehr möglich! Den Menschen wird die Lebensgrundlage genommen!

 

Insgesamt sind Anneli und ich so begeistert von den Menschen dort, die in den Startlöchern stehen, um sich und auch ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Leider lässt man sie nicht - aber sie haben das Potential! Ihre liebevolle Art hat uns auch immer mal wieder zu Tränen gerührt.

 

Am 02.12.2017 sind wir wieder wohlbehalten und gesund in Bremen gelandet und wir danken allen ganz herzlich für die vielen guten Wünsche.

 

Die nächste Reise ist zum Jahreswechsel 2018/ 2019 geplant.

 

Herzliche Grüße von

Uta Konstantinovic und Anneli Sofia Räcker

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