KETAAKETI Gesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.
KETAAKETIGesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.

KETAAKETI / SPOWC Projektreise im Erdbebengebiet

Anneli Sofia Räcker (1. Vorsitzende KETAAKETI) war im Zeitraum vom 18.09.2015 bis 03.10.2015 in Nepal unterwegs. Jeden Tag hat sie unter schwersten Bedingungen im Katastrophengebiet, gemeinsam mit unseren nepalischen Freunden der Partnerorganisation SPOWC, neue Projekte aufgesucht. Die klimatischen Bedingungen (schwül und heiß) und die schwer zugänglichen, teilweise nicht mit dem Jeep, sondern ausschließlich zu Fuß über Geröll zu erreichenden Dörfer, erschwerten die Arbeit sehr. Am Ende des Tages wurden neue Projekte gemeinsam mit SPOWC konzeptionell ausgearbeitet, Gespräche und Verhandlungen geführt. Hier lesen Sie einen Auszug ihrer Arbeitsberichte:

 

Samstag, 19. September 2015:

Ankunft Anneli Sofia Räcker in Kathmandu

Anneli Räcker berichtet über die politische Situation und die Stimmung in Kathmandu. Die Verfassung soll am 20. September endlich verabschiedet werden. Die Menschen freuen sich, aber es gibt auch Gegenstimmen. Es bleibt abzuwarten, wie es damit weitergeht.

 

Sonntag, 20. September 2015

Zwei Bilder von einem Schulfestival – 180 Kinder sind wieder da.

schulfest 2

 

schulfest 1

 

Bild von Rajesh Regmi mit der Ministerin für Social Welfare, sie sei sehr angetan von der KETAAKETI-SPOWC-Arbeit und sagte Anneli Räcker, dass sie in jedem Fall mit KETAAKETI/SPOWC in Verbindung bleiben werde.

Ministerin social welfare und Rajesh

 

Das (erste) Projekt heißt Halade und liegt Richtung Nordosten, ungefähr 2 Autostunden entfernt von Kathmandu.  Im Dorf sind von insgesamt 45 Häusern 40 Häuser zerstört. Die Bewohner brauchen als Unterstützung zunächst Blechdächer. Es gibt Überlegungen für weitere Unterstützungen und evtl. ein Hausmodell aus Bambus – also günstigem Material aus der Umgebung. Es existiert eine Wasserleitung (Erneuerung durch das Rote Kreuz). So gibt es Wasser, dennoch ist die Situation sehr schlimm, auch die medizinische Versorgung ist kritisch. Sie werden von einem Health Post versorgt, dieser ist aber sehr schlecht bestückt.

Eine weitere wichtige Frage in den Gesprächen in Halade war die Reisunterbringung. Eine Frau im Dorf  hat aus vorhandenen Blechmaterialien, die hier u.a. von SPOWC geliefert worden sind, ein Lager für Vorräte gebaut, in dem sie auch für fast das ganze Dorf kocht.

Anneli Räcker berichtet, dass sie von hier aus nicht mehr weiter kam, denn der Monsun sei immer noch nicht vorbei und die Wege seien unglaublich schlammig, so dass sie mit dem Fahrzeug oft abgerutschten und dann ganze Stücke auch zu Fuß liefen.

 

Abschluss dieses Tages: „Die Verfassung ist verabschiedet worden, so dass dieses Land jetzt hoffentlich in eine friedliche Regierungszeit geht. Im Terai gibt es noch Unruhen, … Die neue Regierung setzt sich zusammen aus Kongress Party, aus den Kommunisten … und aus den Maoisten … überall heute Abend wurde gefeiert. … überall gesungen … und es standen Kerzen auf den Straßen.“

neue Verfassung

 

 

Montag, 21. September 2015

„Ich denke hier jetzt über zeitlich begrenzte Dorf(Unterstützung) für die Wiederaufbauphase mit weiteren Regionalgruppen nach. Das Elend ist unbeschreiblich und die Hoffnung auf respektvolle, zuverlässige Freunde riesengroß! Später dann Wiedereingliederung in unser Konzept der Beschulungsunterstützung plus Mikrofinanzierung in eben diesen Dörfern.“

 

Dienstag, 22. September:

Durch heftigstes Gestrüpp, bei Temperaturen um 32 Grad, führte der Weg über Stunden nach Kareltok, ein Dorf in Kavre. Hier sind ca. 80% der Häuser zerstört. Auf den Fotos sieht man auch eine der provisorischen Blechhütten als Hilfe über die Monsunzeit.

Im Dorf leben nur alte Menschen, die jungen hatten das Dorf fluchtartig verlassen – bis auf 1 junge Frau. Diese Situation führte zu folgender Idee:  3-Generationen-Projekt Kareltok. Die junge Frau konnte sich sofort für ein Mikrofinanzierungsmodell, zu dem sie junge Familien – mit Schulkindern – ins Dorf zurückholen sollte, begeistern. Erste Trainingsschritte und Kooperative-Aufbau wurden geplant. Die Gedanken hierzu: Versorgung für die Alten, Arbeit für die Jungen, gesundes Familiensystem für die Kinder (Dorfrebuilding). Und die Schule ist „nur“ eine Stunde entfernt.

Die demographische Frage – wie man in den Dörfern die Alten und die Jungen wieder – auch mit Hilfe von Mikrofinanzierung –  verbinden könnte durch, ist ein sehr präsentes Thema. Für die jungen Menschen bestehen in den Dörfern oftmals keine Arbeitschancen, gleichzeitig verlassen Sie damit auch ihre alten Eltern, die dann ohne Unterstützung auskommen müssen.

 

Mittwoch, 23. September 2015:

Besuch des Dorfes Sakhu – hier werden am 26.09.2015 jugendliche Nepal Scouts helfen.

 

Donnerstag, 24. September 2015

Besuch in einer Taubstummenschule – hier hat KETAAKETI die Trinkwasseranlage für etwa 3000 Euro finanziert. In dieser Schule sind 400 Kinder und es ist eine der 20 Taubstummenschulen in Nepal, die auch von sehr vielen Kindern aus der ärmsten Region um Kathmandu besucht wird.

Taubstummenschule 1

 

Freitag, 25. September 2015

Anneli Räcker berichtet, dass Indien die Einfuhr von Lebensmitteln, Salz, Benzin, Gas, von allen möglichen lebensnotwendigen Sachen stoppt. Es fahren nur noch sehr wenige Busse. Aus Kavre käme noch ein wenig Gemüse und Kartoffeln. Hintergrund des Handelsboykotts sei, dass die Madesi (größte ethnische Minderheit) und die Tharu, sich in der neuen Verfassung nicht ausreichend repräsentiert fühlen und somit zu wenig Einflussmöglichkeiten bei der Gesetzgebung usw. hätten. Indien unterstütze diese beiden Gruppen dabei. Man befürchte, dass das ein sehr langwieriger, problematischer Konflikt würde.

Es folgen Bilder aus Nala, einem sehr stark zerstörten Dorf in Kavre. Hier ist unter anderem das Toilettenhaus der Schule zerstört und ein kleiner Teil des Unterrichtsgebäudes. Die Schule benötigt außerdem einen Filter und eine 20 m lange Pipelinefür den Trinkwassertank. Die Trinkwassergewinnung erfolgt in den Dörfer oftmals durch große Keramik-Amphoren, die erhöht in der Landschaft stehen und von oben mit (Regen-)Wasser „befüttert“ werden. Von dort fließt es dann in die Dörfer und somit auch in die Schulen.

Die Bilder mit der roten und grünen Flagge zeigen die nun übliche Kennzeichnung der öffentlichen Gebäude, z.B. Schulen. Grün bedeutet `begehbar`, rot `Einsturzgefahr`. Auf einem der Bilder sind zwei Bäuerinnen vor ihrer Ersatz-Blechhütte zu sehen, sie haben ihr Haus verloren. Jetzt haben sie nur eine Blech-Hütte und versuchen ihrer Landwirtschaft nachzukommen.

 

Samstag, 26. September 2015

Fast 50 Kinder und Jugendliche fahren mit einem Bus nach Sakhu – in ein von den Erdbeben stark betroffenes Dorf – eine Aktion gegen die Hoffnungslosigkeit. Die Jugendlichen arbeiteten über Stunden, mit Eispickeln wurden Hausruinen eingerissen, um dann in Hand in Hand Ziegel weiterzugeben. Höchstens 20% der Ziegel können für neue Häuser gerettet werden, die anderen durch den Monsun unbrauchbar geworden. Die Kinder und Jugendlichen waren begeistert von der Aktion und die Dorfbewohner auch! Diese fabelhafte Initiative des Dorf-Wiederaufbaus möchten wir gerne weiterentwickeln, damit auch hier ein Schulprojekt und Mikrofinanzierung folgen können.

 

Sonntag, 27. September 2015

„Die Straßen sind leer, neben vielem Lebensnotwendigem wurde auch die Reiseinfuhr aus Indien gestoppt, an der indischen Grenze warten Schlangen von LKW, die Menschen haben kein Gas (in Flaschen) mehr zum Kochen, Hunderte von Motorrädern warten vor den Tankstellen, nur ¼ der local busses fahren noch, erhalten 30 Liter Benzin pro Tag. Die Regierung unternimmt nichts, keine Verhandlungen, wartet ab.“

 

Montag, 28. September 2015

Die aktuellen Zahlen sind beeindruckend: KETAAKETI/SPOWC unterstützt jetzt ca. 9000 Kinder in Nepal. Ungefähr 300 Familien werden durch Mikrofinanzierung unterstützt. Die Ausfallquote von 10 % ist sehr gering. Ein großer Erfolg!

Die aktuelle Situation ist auf Grund des aktuellen politschen Konflikts nach wie vor verheerend. Sichtbar wird es an den leeren Straßen. Die öffentlichen Busse fahren zu 50% reduziert, an einem Tag fahren die mit den geraden Nummern, am anderen die mit den ungeraden Nummern. Benzin gibt es fast keines mehr.

Diese Bilder aus Bhaktapur zeigen eine zerstörte Tempel. In der Stadt sind so gut wie keine Touristen zu sehen. Überall stehen die Händler vor ihren Läden mit verstaubter Ware, weil niemand sie kauft und sie alles immer wieder raus und reinholen.

 

Eines der neuen Projekte: Eine Schule in Bkaktapur

Die Schule war einmal 700 Kinder stark. Vielen von ihnen sind zu Privatschulen gewechselt. Mittlerweile ist die Schule auf 75 Kinder geschrumpft, von denen nur noch 28 Kindern tatsächlich kommen. Die übrigen Kinder können nicht zur Schule gehen, da sie Hunger haben, arbeiten müssen (oftmals in den Ziegelfabriken) oder irgendwo auf der Straße betteln müssen.

In dieser Schule sind sehr viele Erdbebenwaisen und Kinder, die Halbwaisen sind. Die Eltern sind fast alle Analphabeten. Diese Kinder haben überhaupt keine Versorgung, treiben sich in der Stadt herum, ernähren sich von Müll und von Abfall und kommen eben fast nicht in die Schule. Der Schulleiter ist ein hochmotivierter, sehr warmherziger Mann, mit großer Motivation diese ärmsten Kinder in seiner Schule zu fördern. Und deshalb wollen wir hier unser Social-teacher-Modell ansetzen, allerdings nicht als Social-class, sondern für die Betreuung und Begleitung dieser Kinder im Rahmen ihrer Schulausbildung. Der Schulleiter sagt: „We need to councel the parents.“ Dies würde bedeuten, dass eine junge Frau, ähnlich unseren Social-teachers, sich um die Kinder kümmert und versucht, die Eltern dazu zu motivieren, sie in die Schule zu bringen, nachmittags die Hausaufgaben betreut, sich um Essen kümmert. Wir unterstützen dann (die Grund-Schul-Bildung) finanziell und müssen auch dafür sorgen, dass sie in der Schule zu essen bekommen, weil sie einfach Hunger haben, Riesenhunger.

 

Ein großer Teil der Schule wurde durch die Erdbeben zerstört. UNICEF hat hier bereits eine  Trinkwasseranlage bereitgestellt. 250 Euro fehlen noch für eine Pipeline, d.h. einen langen Schlauch, um dann an eine Wasseranlage der Stadt heranzukommen.

An diesem neuen Schulprojekt in Bhaktapur kann man sehr gut sehen, dass durch dieses Erdbebendesaster hindurch das Konzept der Förderung ärmster Kinder in Nepal und die durch Erdbeben geschädigten Kinder und ihre Schulen den Fokus bilden, ebenso wie die Mikrofinanzierung. Dies ist unsere originäre Unterstützungsweise, bei der wir immer wieder die Erdbebenfolgen mit einbeziehen.

 

Dienstag, 29.09.2015:

Sindhupalchowk – mitten im Epizentrum der großen Erdbeben (5 Stunden Anfahrt mit dem local bus, 5 Stunden Rückfahrt in der Nacht mit teilweise verschütteten Wegen durch Erd- und Geröll-Lawinen).

Hier findet ein Treffen mit den Schulleitern der Region statt, um gemeinsam zu besprechen welche Schulen dort am meisten zerstört sind, wo beim Schulaufbau und bei der Unterstützung der ärmsten Kinder Hilfe nötig ist und wir vielleicht auch schon versuchen, Mikrofinanzierungen zu starten.

In folgenden 3 Schulen in Sindhupalchowk soll zunächst Erdbeben-Aufbauhilfe geleistet werden:

  • Primary School Sigapokhave
  • Shree Pameha Kanyal Secondary School
  • School in Palamarang Village

Durch weitere Unterstützung kann den Kindern dieser sehr armen Landbevölkerung geholfen werden: Stationery, Schuluniformen, Sweater für den kommenden Winter, Frühstück (wichtiger Snack, damit die Kinder nicht zu Hause bleiben, weil sie Hunger haben und damit sie in der Schule in der Lage sind zu lernen). Im Gespräch mit den Lehrern wurde deutlich, dass die Kinder  in Sindhupalchowk durch die Erdbebenerfahrung immer noch sehr traumatisiert sind und dadurch u.a. Konzentrationsprobleme haben.

Insgesamt sind die Lebensbedingungen hier katastrophal – verunreinigtes Wasser, mangelnde Hygiene. Es fahren nur sehr wenige Busse, es gibt keine medizinische Versorgung. Kranke Menschen (in einem konkreten Fall eine mit Typhus erkrankte Frau) müssen mit den völlig überfüllten Bussen ins Krankenhaus gebracht werden.

Anneli Räcker: „Überall hier an der Straße, wohin man sieht, idyllische Landschaft und überall Ruinen und Häuser, die kurz vorm Einsturz stehen. Zum Teil stehen die Häuser noch, aber die sind so voller Risse und kein Mensch kann mehr darin wohnen. …. Im Haus von Gomas (Lehrerin an der Tilganga-School in Kathmandu) Eltern konnte man sehen, dass sie schon die ganzen Maisketten aufgehängt haben, sie hatten schon selber Reis geerntet. Die Menschen versuchen auch, sich gegenseitig zu helfen, aber es ist für Viele so schockierend. Dazwischen sitzt dann Gomas Vater, der ist voll erblindet, kann nicht mehr hören, versteht überhaupt nicht, was mit ihm geschieht, das ist schon eine dramatische Situation.

Und dennoch: überall ist die Gastfreundlichkeit und auch insgesamt das Lächeln ein Stück wieder eingekehrt. Die Menschen …, sie sind es gewöhnt, dass sie Dinge halt aushalten müssen, ertragen müssen, so war es immer hier … hinnehmen und versuchen, mit Gelassenheit allem zu begegnen. Das ist hier überall auch zu spüren. …. aber dann ist auch die Kraft einfach nicht mehr da an vielen Stellen, durch die permanenten Belastungserlebnisse: Erdbeben, dann Monsun, dann jetzt die Handelsblockade durch Indien usw. Es hört einfach nicht auf.“

Die Fotos zeigen die Schulen (als provisorische Blechhütten), den beschwerlichen Anstieg durch das Geröll, zerstörte Häuser:

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Verwendungszweck:

`Nepal` oder

`Sierra Leone` oder

`Nepal und Sierra Leone`

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