KETAAKETI Gesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.
KETAAKETIGesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.

Religion und Kultur

Eine Vielzahl an Festen

 

Der Glaube genießt im Alltagsleben vieler Nepali, gerade auch im internationalen Vergleich, einen sehr hohen Stellenwert und bietet für das sehr arme Volk trotz Hunger und politischer Instabilität Sicherheit und Hoffnung.

 

Der Hinduismus ist die am meisten vertretene Religion des Landes, rund 80 Prozent gehören diesem Glauben an. Weitere 9% dem Buddhismus, 4% dem Islam und 1,4% dem Christentum. Dabei ist eine Vermischung von Hinduismus und Buddhismus nicht selten. Aus diesem Grund sind die statistischen Zählungen der Religionszugehörigkeit sehr schwierig. Bis 2008 war Nepal das letzte Hindu-Königreich mit dem Hinduismus als Staatsreligion. Andere Religionen wurden als Form des Hinduismus betrachtet.

 

Der Hinduismus entwickelte sich aus der vedischen Religion. Diese Schrift gilt als älteste niedergeschriebene Schrift. Später kamen weitere Schriften hinzu. Der Hinduismus gilt als eine Vermischung der Kulturen der vor-arischen traditionellen Kultur in Nordindien und der arischen Veda-Kultur. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Hinduismus immer weiter, dabei stand die Verehrung der Götter im Vordergrund. Zwischen 800 und 600 v. Chr. führte die Adelskaste weitere Aspekte, wie die Wiedergeburt, Erlösung und Vergeltung ein. Im 19. Jahrhundert kamen auch politische Ideale zum Hinduismus hinzu.

 

Im Hinduismus gibt es viele Götter, so viele, dass man sie kaum zählen kann. Die zwei wichtigsten Götter sind Vishnu der Weltbewahrer und Shiva der Weltzerstörer. Dabei besteht der Glaube eher an die Urkraft des Universums, die sich in den Manifestationen als Götter widerspiegeln.

 

Die wichtigsten Punkte im Hinduismus sind die Reinkarnation, das Karma und die Erlösung. Das Leben eines Hindu ist geprägt von Riten, um ein gutes Karma zu erhalten. Das Karma bestimmt die Arten der Wiedergeburt, die durch Taten oder Handlungen erfolgen. Als Mensch wiedergeboren zu werden ist ein großes Glück. Wird man als Tier wiedergeboren, gilt dies als Abstieg. Aus diesem Grund sind Hindus auch gegen das Töten von Tieren. Um gutes Karma zu erhalten, können verschiedene Methoden verwendet werden. Zum einen gibt es die Meditation, zum anderen die vollkommene Hingabe an den Glauben, gute Taten oder ein Verzicht auf Materielles, wie die Sadhus es vollziehen.

 

Begründer des Buddhismus war Prinz Siddhartha Gautama. Er wurde um 560 v. Chr. in Lumbini, nahe an der indischen Grenze, geboren. Der Buddhismus ist eine Erlösungslehre, mittlerweile aber nicht mehr als diese in Nepal vertreten. Diese Lehre verbreitete sich sehr schnell, der Hinduismus blieb aber weiterhin die wichtigste Religion. Es entwickelte sich eine neue Form, der Mahayana-Buddhismus. Diese Form des Buddhismus sollte vielen Menschen helfen, zu ihrem Heil zu finden. Der traditionelle Buddhismus, dem Hinayana-Buddhismus, praktizieren Mönche und Asketen. In Nepal gehören die meisten Buddhisten dem Mahayana-Buddhismus an. Später kam noch eine dritte Form hinzu, der Vajrayana-Buddhismus. Diese Form des Buddhismus etablierte viele Volkskulte in sich.

 

Die Lehren Buddhas sind dem Hinduismus sehr ähnlich, denn auch hier sind die Grundpfeiler das Karma und die Erleuchtung. Karma ist dabei unabhängig von einer Vorherbestimmung, denn man kann sich durch Selbstreflexion oder innere Arbeit aus dem Kreislauf der Wiedergeburt lösen. Nach Buddhas Lehre erkennt man so eigene Schwächen, arbeitet an diesen, bestimmt dann das eigene Schicksal selbst und erreicht dann das Nirwana. Der Buddhismus ist keine Religion, in der Götter verehrt werden, sondern eine Lehre, die gegen die Klassen der Gesellschaft agiert. Die innere Kraft des Menschen steht im Mittelpunkt sowie dessen geistige Entwicklung.

 

Die Menschen in Nepal sind sehr tolerant gegenüber den einzelnen Religionen. Jede Person darf selbst bestimmen, welchen Gott er in erster Linie verehren möchte und auch jeder Familie steht dies zu. Außerdem darf jeder selbst entscheiden, wie oft er einen Tempel aufsucht oder Riten durchführt. Daher kommt es oft zur Verbindung zweier Religionen innerhalb einer Familie. Deshalb stehen hinduistische und buddhistische Tempel auch oft nahe beieinander. Viele Rituale sind in beiden Religionen ähnlich und auch verschiedene Gottheiten sind in beiden vertreten. Oft ist es nur möglich, jemanden an seiner Glaubenszugehörigkeit zu erkennen, indem man weiß, welchen Hauspriester er beschäftigt. Eine Heirat zwischen Hindus und Buddhisten ist möglich, solange sie aus dergleichen Kasten stammen.

 

Anders ist es jedoch bei den wichtigsten Ritualen, wie der Heirat oder dem Tod. Hier gibt es ganz spezielle Riten, die durch einen Priester durchgeführt werden, um die Familie vor Unheil zu bewahren. Wie oben bereits beschrieben, ist das Töten von Tieren im Hinduismus nicht gestattet, es sei denn das Tier wird nach den Regeln des Tantrismus geopfert.

 

Der nepalesische Kalender beinhaltet eine Vielzahl von Festen. Die wichtigsten Feste in Nepal sind das Dashain-Fest und das Tihar-Fest. Das Dashain-Fest findet im Herbst statt und gilt als das größte Hindu-Fest. Die Hindus beten bei diesem Fest um Vergebung für ihre Sünden, um ihre Familie zu segnen. Das Tihar-Fest fällt in die gleiche Jahreszeit (Erntezeit) wie das Dashain-Fest. Es wird auch als „Fest der Lichter“ bezeichnet. Bei diesem Fest wird die Göttin Laxmi, die Göttin des Wohlstandes verehrt. Überall an den Tempeln werden Lichter aufgestellt. Das Fest dauert fünf Tage lang, wobei an jedem einzelnen Tiere gefeiert werden.

 

Kirsten Simon, April 2017

 

Quellen:

Alles über Nepal: http://www.allesuebernepal.com/info/kultur-religion/

Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/Nepal_node.html

Buddhismus in Deutschland: http://www.buddhismus.de/01_buddha.php

Nepal – Königreich im Himalaya: http://www.nepal-information.de/land-und-leute/#Religion

Nepal, Mount Everest und mehr: https://www.nepal.de/Reiseinformationen/Zusatzinformationen/Feste-in-Nepal/

Nepal travelguide: http://www.nepal-travelguide.de/land-und-leute-religion.html

Schwarz, Jürgen (2003): Religionen verstehen lernen. 6. Auflage Lichtenau: AOL Verlag.

Von der Heide, Susanne et al. (2012): Nepal. München: Nelles Verlag GmbH.

Ethnische Vielfalt und das Kastensystem Nepals

 

Nepals Bevölkerung ist geprägt von den verschiedensten ethnischen Volksgruppen, die sich jeweils durch eigene Sprachen, Dialekte und kultureller Vielfalt auszeichnen. Viele dieser ethnischen Gruppen existieren unabhängig von den Kasten, werden aber in das nepalesische Kastensystem eingefügt. Obwohl Nepali die offizielle Amts- und Unterrichtssprache ist, kann sie nur bei etwa der Hälfte der Bevölkerung als Muttersprache gelten.

 

Eine Systematisierung der ethnischen Vielfalt ist nur schwer möglich, sodass vor allem eine regionale Differenzierung sinnvoll erscheint. Im Terai, der Süden des Landes, sind vor allem die Gruppen der Tharu, Darai, Kumhal, Danuwar und Majhi ansässig. Hier werden überwiegend Nepali und nordindische Dialekte gesprochen. Die Menschen sind oft sehr arm und leben von der Subsistenzwirtschaft, was heißt, dass sie kleine Ländereien pachten und die hier angebauten Produkte für ihren eigenen Lebensunterhalt oder für den Verkauf auf dem Markt verwenden. Die Kumhal z.B. verdienen mit der Töpferei ihren Lebensunterhalt, während die Danuwar Fischer sind. Die Tharu leben schon sehr lange im Terai, nahe der indischen Grenze. Als die Landschaft im Terai noch durch große Wälder geprägt war, waren die Tharu Jäger und Fischer, heute leben sie hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die Tharu-Frauen haben mehr Rechte als die anderen Frauen in Nepal, u.a. haben sie das Recht auf Scheidung.

 

In den Hügelgebieten – West nach Ost betrachtet – sind die Magar, Gurung, Tamang, Newar, Sunuwar, Rai und Limbu vorzufinden. Die einzige Gruppierung, die schon vor langer Zeit eine urbane Kultur hervorgebracht hat, sind die Newar.

Im Norden Nepals leben hauptsächlich Sherpa, Dolpo pa, Baragaonli, Manangi und Lopa. Kulturell, vor allem sprachlich, sind diese Ethnien Tibet zugewandt, was man auch an ihrem Äußeren erkennt. Während diese Ethnien die typischen mongolisch-tibetischen Gesichtszüge aufweisen, haben die Menschen im Süden eher Gesichtszüge, die denen der Inder ähneln. Diese Ethnien führen Bergexpeditionen durch, leben aber auch von der Landwirtschaft und Yak- und Schafzucht. In den Wintermonaten sind sie oft auf Reisen in den Süden unterwegs, um dort die Produkte aus ihrer Heimat anzubieten und im Gegenzug Waren aus dem Süden einzukaufen, die es in ihrer Heimat nicht gibt. Von diesen ethnischen Gruppen sind die Sherpas wohl die bekannteste Volksgruppe Nepals, obwohl sie gerade einmal nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie sind dem Buddhismus zugewandt und weniger traditionsgebunden als andere Ethnien. Die Frauen haben eine bessere Stellung und mehr Rechte, die mit denen der Tharu-Frauen im Süden des Landes vergleichbar sind.

 

Diese oben genannten Volksgruppen nehmen insgesamt die Hälfte der Bevölkerung Nepals ein, obwohl jede Gruppe einzeln betrachtet nicht mal auf 4 Prozent kommt. 45 Prozent der Menschen sind Hindus, die als Einheit betrachtet werden können und somit der Schlüssel zum staatlichen System sind.

 

Das nepalesische Kastensystem entwickelte sich aus dem hierarchischen System des Hinduismus, das von den Hindu-Gruppen aus Indien nach Nepal gebracht wurde. Dieses System traf auf nicht-hinduistische Gruppierungen und verschmolz mit diesen zu einem eigenen nepalesischen System. Der Begriff ‚Kaste‘ kam mit den Portugiesen um 1500 nach Nepal, aber eigentlich steht der Begriff im Sanskrit für Varna (Farbe). Dabei hat jede Kaste seine eigene Farbe. Jede Kaste hat noch weitere Untergruppen, in die die Menschen hineingeboren werden. Im Grunde können alle ethnischen Gruppen einer Kaste zugeordnet werden. Nur wenige Gruppen im Norden konnten diesem System widerstehen und damit auch der Hinduisierung. Der Einfluss des Hinduismus nimmt von Süd nach Nord spürbar ab; im Norden ist vor allem der tibetanische Buddhismus vertreten. Gruppen wie die Tamang und Gurung gehören sogar beiden Religion an, dem Hinduismus und Buddhismus. Während die Sherpa nur dem tibetischen Buddhismus angehören.

 

Das Kastensystem in Nepal besteht aus fünf Hauptkasten: die Tagadhari, die Kshatriyas, die Vaishya, die Sudra und die Unberührbaren. Die oberste Kaste des nepalesischen Systems ist die Tagadhari-Kaste. Die männlichen Mitglieder dieser Kaste tragen die Heilige Schnur. Sie werden sowohl physisch als auch mit Initiationsritualen als Mitglieder in ihre Kaste geboren, deshalb tragen sie auch den Namen „zweimal Geborene“. Zu dieser Kaste gehören die Brahmanen, die für die Reinheit ihrer Kaste stehen. Sie dürfen aus diesem Grund keine Zwiebeln, Hühnereier oder Alkohol zu sich nehmen und nicht mit niederen Kasten zusammen essen. Diese Regelungen sind aber häufig nur noch im Westen Nepals bei sehr traditionsbewussten Familien ausgeprägt. Die Brahmanen sind dafür zuständig, die Sanskrit-Gebete zu lesen oder Stellungen in der Regierung, Verwaltung oder gehobenen Berufszweigen einzunehmen.

 

Die Chhetri gehören der zweiten Kasten, der Kshatriyas, an und sind ebenfalls die „zweimal Geborenen“ und Träger der heiligen Schnur. Sie besetzen oft Ämter im Militär, in der Verwaltung und der Industrie dagegen weniger.

 

Die Newar, die der Vaishya-Kaste angehören, sind die Urbevölkerung des Landes und besitzen ein eigenes differenziertes Kastensystem, sowie auch ihre eigenen Rituale und Regeln. Diese Kaste ist eine Mischung nepalesischer Kulturen, die zugleich aus Hindus und Buddhisten bestehen. Sie haben die nepalesische Kultur geschaffen und stehen ebenso für die Toleranz gegenüber verschiedenen anderen Kulturen.

 

Die Unberührbaren sind die Gruppierungen, die in der untersten Schicht des Kastensystems stehen. Unter diese Gruppen fallen die Dalits, die rund 20 Prozent der Nepalesen ausmachen. Dazu gehören auch die Kami (Schmiedekunst), die Sarki (Schuster) und die Damai (Schneider). Diese Unberührbaren dürfen meistens keine Hindu-Tempel betreten, bekommen in Lokalen anderes Geschirr als die höheren Kasten und dürfen kein Essen für diese kochen. Auch dürfen sie nicht die gleiche Wasserquelle benutzen. Diese Kaste ist vor allem von Armut, Analphabetismus, Schulden und Prostitution geprägt. Die Angehörigen dieser Kaste haben kaum Möglichkeiten, Bildung und Gesundheitsfürsorge, zu erhalten, obwohl seit einigen Jahren in Nepal eine Schulpflicht besteht. In vielen Dörfern stehen die Häuser gleicher Kasten näher beieinander, während die Häuser unterschiedlicher Kasten weit voneinander entfernt sind. So wird die soziale Hierarchie auch nach außen spürbar. Da die Brahmanen ihre Felder nicht selbst bestellen dürfen, werden dafür Mitglieder unterer Kasten eingestellt.

 

Die sogenannte Wasserlinie trennt die Unberührbaren von den oberen Kasten. Diese Linie besteht auch zwischen der ersten Kaste zu den unteren. Deshalb ist eine Heirat auch nur innerhalb einer Kaste möglich, damit diese rein und erhalten bleibt und ihre Privilegien gesichert werden. Kinder aus einer hypergamen Ehe, bei der der Vater aus einer höheren Kaste stammt, können sogar in eine noch höhere Kaste heiraten. Diese Ehen sind aber bis heute nicht gern gesehen; die Eheleute werden oft von ihren Familien verstoßen.

 

Obwohl 1963 das Kastensystem offiziell abgeschafft und 1990 Kastendiskriminierung unter Strafe gestellt wurde, sieht die Realität jedoch ganz anders aus. Bis heute sind Personen aus der Regierung oder Führungspositionen aus den höheren Kasten, denn nur ihnen ist es möglich, eine bessere Ausbildung zu erhalten. Menschen aus den unteren Kasten, besonders die Unberührbaren, werden immer noch sehr schlecht behandelt und diskriminiert, wie vor der Abschaffung des Kastensystems. Bestraft wird diese Diskriminierung nur selten.

 

Kirsten Simon, April 2017

 

Quellen:

Loose, Stefan (2015): Reiseführer Nepal. Mair Dumont DE.

Morkel, Silke (2008): Migrationsrealitäten und Migrationswünsche nepalesischer Frauen im Wandel. Vergleichende Betrachtungen zu Mobilität  und Migration der Frauen unterschiedlicher ethnischer Gruppen und Kasten aus ausgewählten Gebieten im Terai, Mittelland und Hochgebirge Nepals. Gießen.

Nepal – Königreich im Himalaya: http://www.nepal-information.de/land-und-leute/#Religion

Von der Heide, Susanne et al. (2012): Nepal. München: Nelles Verlag GmbH.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© KETAAKETI