KETAAKETI Gesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.
KETAAKETIGesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.

Schul- und Bildungssystem

1951 lag die Analphabetenrate in Nepal noch bei 98 Prozent; sie ist aber bis heute aufgrund von Reformen im Bildungssystem auf immerhin 57 Prozent gesunken. Rund 95 Prozent der Kinder sind nun an einer Grundschule angemeldet. Allerdings liegt die Analphabetenrate bei den Erwachsenen noch bei 45 Prozent.

 

Nepals Schulsystem ist untergliedert in drei Stufen: eine Grundstufe (fünf Jahre), eine untere Sekundarstufe (fünf Jahre) und eine obere Sekundarstufe (zwei Jahre). Die Grundstufe an staatlichen Schulen kann kotenfrei besucht werden, auch Materialien und Schuluniformen werden gestellt. Seit 1975 ist die Grundschulbildung Pflicht. Trotzdem besuchen nicht alle Kinder die Schule. Hauptsächlich sind es die Jungen, die in die Schulen geschickt werden, wohingegen die Mädchen im Haushalt oder auf dem Feld helfen müssen. Die Ursache dafür ist, dass die Jungen später die Familie versorgen, die Mädchen aber heiraten und die Familie verlassen werden.

 

Die staatlichen Schulen sind oft in einem schlechten Zustand und haben keine qualifizierten Lehrer. Meistens sind die Schulklassen vollkommen überfüllt. Nur die wenigsten Schüler erhalten ihren Schulabschluss oder beenden die Grundstufe. In den Bergen sind Schulen kaum vorhanden. Nur in den größeren Dörfern und Städten, die an eine Infrastruktur angegliedert sind, gibt es staatliche Schulen. Deshalb müssen viele Kinder einen stundenlangen Fußmarsch hinter sich bringen, um in ihre Schule zu gelangen. Sie kommen daher oft vollkommen erschöpft und ermüdet in den Klassenräumen an.

 

Ein weiteres Problem ist das Kastenwesen. Obwohl dieses System offiziell abgeschafft wurde und Kastendiskriminierung unter Strafe steht, sind Kinder aus den unteren Kasten nicht gerne in staatlichen und privaten Schulen gesehen. Davon abgesehen können ihre Eltern es sich nicht leisten, die Kinder in die Schule zu schicken.

 

Nepal besitzt seit 1959 eine Universität – die Tribhuvan Universität –, die sich kontinuierlich entwickelt und das Studienangebote weitre ergänzt. Fakultäten der Universität sind mittlerweile über das gesamte Land verteilt, allerdings nur in den gut zugänglichen Gebieten. Auch private Universitäten sind vorhanden und erweitern von Jahr zu Jahr ihr Angebot. Der Besuch einer Universität ist nur den privilegierten Schülern, die aus einer wohlhabenden Familie stammen, vorbehalten. Schüler aus unteren Kasten können sich einen Besuch an einer Universität nicht leisten und werden dort auch nicht als gleichberechtigt anerkannt.

 

Die Berufsaussichten sind daher für Menschen aus den unteren Kasten sehr schlecht. Erst wenn die Kastendiskriminierung auch faktisch beendet wird, wird es auch für diese Menschen möglich sein, höhere Bildungschancen zu erhalten, um so ihren Familien aus der Armut zu helfen. Ein Anfang war die Öffnung der staatlichen Schulen für Kinder unterer Kasten. Allein dadurch änderte sich das Bewusstsein der Kinder und der Eltern; zeigte man ihnen dadurch doch, wie wichtig die Schulbildung ist, um endgültig der Armut entfliehen zu können.

 

Text: Kirsten Simon, Juni 2017

 

Quellen:

Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Nepal/ Kultur-Bildung_node.html

 

LIPortal: https://www.liportal.de/nepal/gesellschaft/

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