KETAAKETI Gesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.
KETAAKETIGesellschaft zur Unterstützung der Grund-Schul-Bildung ärmster Kinder und deren Eltern in Nepal und weltweit e.V.

Stellung der Frauen und Mädchen

Die Stellung der Frauen und Mädchen hängt in Nepal nach wie vor vom Kastensystem ab, auch wenn dieses schon seit 1963 offiziell abgeschafft wurde. Die Zugehörigkeit der Mädchen und Frauen Nepals zu den Schichten der Gesellschaft ist für Auswärtige nur schwer zu erkennen. Oft sind es ihre Gesichtszüge, die erkennen lassen, welcher ethnischen Gruppierung sie angehören. Aber selbst das muss nicht bedeuten, dass man erkennen kann, welcher Religion sie angehören und welchen gesellschaftlichen Regeln sie unterworfen sind.  

 

Frauen in Nepal erbringen den Großteil des Haushalteinkommens und arbeiten mehr als die Männer. Nur die Frauen aus der höchsten Schicht bilden eine Ausnahme, denn sie müssen nicht so viel arbeiten wie andere Frauen und Mädchen aus den unteren Schichten. Vor allem die Frauen, die zu den Unberührbaren gehören, müssen körperlich sehr anstrengende Arbeit leisten. Besonders in den ländlichen Gebieten müssen sie oft lange Strecken zurücklegen, um Wasser zu holen. Sie sammeln Brennstoffe, versorgen das Vieh und bewirtschaften die Felder. Diejenigen, die es sich leisten können, verkaufen ihre Produkte auf den heimischen Märkten oder führen kleine Tee-Shops und kleine Restaurants. Viele junge Frauen und Mädchen müssen sogar in den Teppichfabriken und in Ziegeleien arbeiten, um ihre Familie wirtschaftlich zu unterstützen. Die meisten Fabriken zahlen sehr schlecht und die Räumlichkeiten, in denen die Produkte hergestellt werden, bieten kaum frische Luft und Tageslicht. Gerade die Ziegeleien beuten die Frauen und Mädchen aus. Vor allem die Kinder leiden unter diesen Arbeiten. Die Problematik dabei ist, dass viele Fabriken nicht registriert sind und somit genauere Zahlen über Frauen- und Kinderarbeit nicht errechnet werden können. 

 

Obwohl in Nepal eine gesetzliche Schulpflicht besteht, schicken viele Eltern, besonders diejenigen der unteren Kasten, ihre Kinder nicht in die Schule, sondern schicken sie in die Fabriken oder auf die Felder zum Arbeiten. Viele Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, denn sie sind für sie ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Deshalb ist die Alphabetisierungsrate auch sehr gering. Viele Kinder müssen stundenlange Fußmärsche durch die Berge machen, um in ihre Schule zu gelangen. Viele leben dort, wo keine Schulen errichtet werden. Nicht umsonst gilt Nepal als ein Land mit den gefährlichsten und beschwerlichsten Schulwegen der Welt. In vielen Fällen werden auch nur die Jungen zur Schule geschickt, um durch eine gute Ausbildung später mehr Geld zu verdienen, was wiederum den Unterhalt der ganzen Familie sichern soll. Die Mädchen sind eher eine Last. Die Eltern müssen für sie für eine Mitgift sorgen, wenn sie verheiratet werden sollen.

 

Besonders in der nepalesischen Tradition gibt es immer noch Regeln, die archaisch sind und vor allem in den streng traditionsbewussten Gebieten vollzogen werden. Besonders streng sind die Regeln, wenn junge Mädchen und Frauen ihre Menstruation bekommen. Sie gelten in dieser Zeit als „unsauber“ und werden für die Tage der Menstruation aus dem Dorf geschickt. Oft stehen ihnen nur kleine Unterschlüpfe zur Verfügung, in vielen Fällen auch gar nichts. Viele Frauen, vor allem Mädchen, sind dabei schon ums Leben gekommen. Kürzlich ist ein junges Mädchen, das in einem Verschlag Feuer gemacht hat, an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben.

 

In Nepal gilt laut Gesetz die Monogamie, Polygamie ist unter Strafe verboten. Viele Ehen in Nepal werden von den Eltern arrangiert, diese Tradition gilt besonders im Hinduismus. Allerdings kommt es immer wieder zu Fällen von Polygamie, vor allem, wenn ein Paar keine Nachkommen zeugen kann. Meistens heiratet der Mann dann eine Schwester seiner Ehefrau. Bei tibetischen Gruppen kann es sogar vorkommen, dass zwei Brüder die gleiche Ehefrau haben, um dies als wirtschaftlichen Vorteil zu nutzen.

 

Ein besonders großes Thema ist die Prostitution. Viele Frauen und Mädchen werden regelrecht in die Prostitution getrieben, um überleben zu können. Aber auch viele arme Familien auf dem Land verkaufen ihre Töchter, oftmals noch im Kindesalter, in die Prostitution. Ihnen wird für die Mädchen viel Geld geboten oder versprochen, dass sie im Haushalt reicher Leute arbeiten können. Diese Versprechen werden letztendlich nur in den seltensten Fällen eingehalten und die Mädchen nach Indien oder innerhalb Nepals in Bordelle verschleppt. Auch wenn an den indischen Grenzen Kontrollen durchgeführt werden, gelangen viele Mädchen so nach Indien.

 

In Nepal gibt es schon seit langem viele Organisationen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen. Doch mussten sie lange Zeit im Untergrund arbeiten, sodass ihre Arbeit sehr erschwert wurde. Erst nach 1992 konnten sie legal arbeiten. Doch politisch betrachtet ist diese Arbeit nur schwer durchzusetzen. 1995 schlossen sich mehrere Frauenorganisationen zusammen und demonstrierten im und vor dem Parlament für mehr Rechte. Das Parlament geriet unter Druck und verabschiedete gleich mehrere Gesetze zugunsten der Frauen:

  • Frauen sollen bis zu ihrer Heirat das gleiche Recht auf Eigentum haben wie die Söhne einer Familie
  • Bei einer Scheidung hat die Frau ein Recht auf Eigentum, falls eine Scheidung zulässig ist
  • Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Wochen ist legal soweit beide Ehepartner damit einverstanden sind
  • Polygamie wird mit ein bis drei Jahren Gefängnis bestraft, vorher waren es nur ein bis drei Monate
  • Ein Verbot darüber, dass die Frau eines Mannes seinen Brüdern zur Verfügung steht (ethnische Gruppen)

Obwohl es diese Gesetze nun schon einige Jahre gibt, werden diese aufgrund der Regelungen des Kastensystems und einer stark traditionellen Verwurzelung größtenteils missachtet. Die Regierung legt keinen gesteigerten Wert darauf, die Einhaltung dieser Gesetze zu überprüfen. 

 

Text: Kirsten Simon, Mai 2017

 

Quellen:

Gabriele und Thomas Beisenkamp (2002): Nepals Frauen im Aufbruch. Essen: VNW – Verlag Neuer Weg GmbH.

Von der Heide, Susanne et al. (2012): Nepal. München: Nelles Verlag GmbH.

Welt.de: https://www.welt.de/vermischtes/article160491214/Wegen-Menstruation-weggeschickt-Maedchen-stirbt.html

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